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50 plus: Existenzgründungen durch ältere Gründerinnen und Gründer  -  20.11.2006
Kompass.jpgDie geburtenstarken Jahrgänge kommen „in die Fünfziger“. Gleichzeitig geht die Zahl der Geburten zurück. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass immer mehr Gründerinnen und Gründer zur Gruppe „50 plus“ gehören werden.

Dazu kommt: Die heute 50-, 60- oder 70-Jährigen sehen nicht nur um viele Jahre jünger aus. Sie sind auch um ein Vielfaches gesünder und leistungsfähiger als ihre Altersgenossen noch vor wenigen Dekaden. Daher sind Ältere in der Regel fit genug für das „Abenteuer Selbständigkeit“. Außerdem gönnen sich nicht wenige langjährige Angestellte eine „zweite Karriere“: die Selbständigkeit als eine neue berufliche Herausforderung im „Ruhestand“. In den USA ist die Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen heute schon diejenige, aus der die meisten Gründerinnen und Gründer kommen (Quelle: Ewing Marion Kauffman Foundation 2006).

Gründungsvorteil: Berufs- und Lebenserfahrung
Ältere Gründerinnen und Gründer verfügen über ein enormes Plus gegenüber Jüngeren: ihre Lebenserfahrung, die sich erwiesenermaßen in einer sehr zielgerichteten Vorgehensweise in den verschiedenen Gründungsphasen niederschlägt. Typisch sind auch Planungs- und Führungserfahrung durch Berufstätigkeit und, insbesondere bei Frauen, durch die Familienarbeit.

Hinzu kommen ein gefestigtes Selbstvertrauen, eine realistische Risikoeinschätzung und Erfahrungen damit, Verantwortung zu tragen. Einen weiteren Vorteil bieten langjährige Berufserfahrungen, Erfahrungen in der Arbeitsorganisation, Kommunikations- und Teamfähigkeit und vielfältige Kontakte zu potenziellen Kunden. Und schließlich fällt auch die Startfinanzierung leichter, wenn man auf angespartes Eigenkapital zurückgreifen kann.

50 plus: Tipps für Gründerinnen und Gründer

Förderung

Grundsätzlich stehen natürlich auch älteren Gründerinnen und Gründern die gängigen Förderdarlehen zur Verfügung. Dabei sollten ältere Gründerinnen und Gründer folgende Besonderheiten kennen:

Unternehmerkapital: ERP-Kapital für Gründung (0 bis 2 Jahre):
Üblicherweise bietet dieses Förderprogramm eine tilgungsfreie Zeit von sieben Jahren an. Für Gründerinnen und Gründer über 55 Jahren reduziert sich diese tilgungsfreie Zeit um die Anzahl der Lebensjahre über 55. Das Darlehen muss bis zum 62. Geburtstag abgerufen und bis zum 70. Lebensjahr zurückbezahlt sein. Eine Förderung von Personen über 62 Jahren ist nicht möglich.

Unternehmerkapital: ERP-Kapital für Wachstum (2-5 Jahre):
Bei der Entscheidung über eine Darlehensvergabe fließt hier das Lebensalter in die Risikobewertung mit ein. Das bedeutet: Je älter der Antragsteller ist, desto höher wird das Darlehensrisiko eingeschätzt und desto schwieriger ist eine Darlehensbewilligung.

Bankgespräch
Gründerinnen und Gründer ab dem 50. Lebensjahr haben erfahrungsgemäß häufiger Schwierigkeiten, Bankkredite oder Förderdarlehen zu erhalten. Die Finanzinstitute unterstellen bei der Darlehensvergabe an Ältere höhere Risiken. Sie verbinden ein höheres Lebensalter mit der Sorge, dass im Fall längerer Krankheit die fristgerechte Bedienung der Kredite nicht mehr gewährleistet ist. Dazu kommt: Ältere haben wenig Zeit für Unternehmensaufbau und Kreditrückzahlung. Wichtig ist hier ein Erfolg versprechendes Unternehmenskonzept mit einem schlüssigen Rückzahlungsplan.

Förderung bei fehlendem Eigenkapital
Vor allem langzeitarbeitslose ältere Gründerinnen und Gründer haben ein angespartes Sparguthaben aufgebraucht. Daher fehlt Ihnen häufig Eigenkapital für den Start in die Selbständigkeit. Ohne Sicherheiten und gerade bei kleineren Summen haben sie auch nur geringe Chancen, einen Kredit von einer Bank zu bekommen. Für sie kommen die Förderdarlehen in Frage, die auch bei geringem oder keinem Eigenkapital gewährt werden können: StartGeld und Mikro-Darlehen der KfW Mittelstandsbank sowie der Mikrofinanzfonds Deutschland.

Kaufmännisches Know-how
Es gibt eine beachtliche Gruppe sowohl von arbeitslosen Akademikerinnen und Akademikern als auch Personen mit einer guten Facharbeiterausbildung, die sich selbständig machen wollen. Diese Gründerinnen und Gründer haben meist auch langjährige Berufs- und Branchenerfahrungen. Sie haben in der Regel keine Probleme, tragfähige und interessante Unternehmenskonzepte zu entwickeln. Teilweise fehlt ihnen aber das erforderliche kaufmännische Know-how und notwendige betriebswirtschaftliche Kenntnisse (z.B. zu Kundenakquise, Verkauf, Vertrieb).

Einige Initiativen, die ältere Gründerinnen und Gründer begleiten, haben bei diesen im Vergleich zu Jüngeren eine geringere Flexibilität und Know-how Defizite beobachtet. Außerdem stellen sie fest, dass gerade Ältere Schwierigkeiten haben, die neuen „Multifunktionen“ eines Unternehmers wahrzunehmen und sich mit ihren beruflichen Aktivitäten, die sie oftmals jahrelang als Angestellte praktiziert haben, an Marktbedingungen anzupassen.
Sie sollten vor allem die Weiterbildungsangebote der Kammern und Branchenverbände nutzen.

Marktnischen nutzen
Für einen Teil der Gründerinnen und Gründer erweisen sich im Verlauf von vielen Berufsjahren erworbene Kenntnisse für den Schritt in die Selbständigkeit leider als (fast) nutzlos. Handelt es sich um konjunkturschwache Branchen, deren schlechte wirtschaftliche Entwicklung dazu geführt haben, dass sie nun arbeitslos sind, sind Neugründungen wenig chancenreich. Diese Gründerinnen und Gründer sollten versuchen, interessante Marktnischen zu entdecken und zu besetzen. Sie sollten außerdem darüber nachdenken, mit einem oder zwei Partnern zu gründen, um so viel wie möglich Know-how im Unternehmen zu sammeln.

Wiedereinsteigerinnen: Angebote für Gründerinnen
Viele Frauen, die nach einer Familienpause wieder ins Arbeitsleben zurückkehren, müssen ihr fachbezogenes Wissen aktualisieren. Teilweise haben sie auch Probleme, das Startkapital für eine Gründung zu beschaffen. Gründerinnen mit geringem Finanzierungsbedarf und wenigen Sicherheiten haben häufig Probleme, einen Kredit von der Bank zu bekommen. Sie sollten die besonderen Möglichkeiten des Erfahrungsaustauschs und der Aus- und Weiterbildung nutzen, die vor allem Gründerinnen- bzw. Unternehmerinnen-Netzwerke anbieten. Mögliche Förderdarlehen auch bei geringen oder ohne Eigenkapital: StartGeld und Mikro-Darlehen der KfW Mittelstandsbank sowie der Mikrofinanzfonds Deutschland.

Fitness
Es kommt vor, dass ältere Gründerinnen und Gründer das eigene Kräftepotenzial überschätzen und gleichzeitig die Anforderungen durch die berufliche Selbständigkeit unterschätzen. Sie sollten die Möglichkeit nutzen, sich von einem Unternehmensberater oder Coach unterstützen zu lassen. Beratung und Coaching können in vielen Fällen finanziell gefördert werden. Und: Wer im Team gründet, kann Belastungen und Aufgaben verteilen.

Gründung nach langer Angestelltentätigkeit
Problematisch für viele ältere Gründerinnen und Gründer ist die Vereinzelung bei und nach der Gründung. Nach vielleicht mehr als 30 Jahren Berufserfahrung als Angestellte/r ist es nicht leicht, ohne den Kontakt zu Kollegen und die Arbeitsmöglichkeiten in einem Unternehmen (z.B. selbstverständliche Arbeitsorganisation, Büroorganisation, zentraler Einkauf) auszukommen. Eine Lösung für dieses Problem kann sein, Netzwerke zu nutzen oder mit einem oder zwei Partnern zu gründen.

Spezielle Beratungsangebote für ältere Gründerinnen und Gründer

Perspektive 50plus

„Perspektive 50plus – Beschäftigungspakte für Ältere in den Regionen“ ist ein Programm des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zur Verbesserung der Beschäftigungschancen älterer Langzeitarbeitsloser. Es fördert u.a. 62 innovative Regionalprojekte zur beruflichen Wiedereingliederung Älterer ab 50 Jahren. Viele dieser Projekte unterstützen dabei ältere Gründerinnen und Gründer durch Weiterbildung, Qualifizierung und Begleitung.

Initiative „Erfahrung ist Zukunft“
Die Initiative der Bundesregierung will für ein neues Bild des Alters und des Alterns werben und Perspektiven einer älter werdenden Gesellschaft aufzeigen: auf den Handlungsfeldern Beschäftigung, Existenzgründungen, Lebenslanges Lernen,
Gesundheitliche Prävention und beim freiwilligen Engagement.
www.erfahrung-ist- zukunft.de

Weitere Informationen:
BMWi-GründerZeiten Nr. 52 Existenzgründungen durch Ältere

Perspektive 50plus

Unternehmensdynamik und alternde Bevölkerung.
Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. und TNS Infratest im Auftrag des BMWi (Veröffentlichung voraussichtlich Dezember 2006).

Quelle: BMWi

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