Bestattungen Rolf
Wie sind Sie zum/r Unternehmer/in geworden?Durch Todesfälle in der eigenen Familie und im Freundeskreis habe ich schon früh danach gefragt, wie wir Verstorbene gut bestatten, Trauerfeierlichkeiten angemessen gestalten und Trauer Ausdruck geben können. Durch diverse Praktika während des Studiums und gut drei Jahre Berufserfahrung als angestellte Bestatterin habe ich die Arbeit in ihrer Komplexität kennen gelernt. Dieses theoretische wie praktische Know how hat mir den Einstieg in die Selbständigkeit sehr erleichtert, wenn nicht überhaupt erst ermöglicht. Große Sicherheit gaben mir die Fortbildungen (Totenversorgung, Trauerbegleitung). Entscheidende Triebfeder war dann die Sehnsucht nach einer natürlichen, transparenten und offenen Bestattungsarbeit, die die Trauersituation der Angehörigen nicht ausnutzt, sondern nach dem fragt, was sie (und der Verstorbene) wirklich brauchen – und was nicht. Die Unterstützung von Familie, Freunden und Bekannten, ermutigte mich schließlich, die eigene Firma zu gründen.
Ihre Dienstleistung/ Ihr Produkt?
Kern meiner Dienstleistung sind Bestattungen aller Art (Erde, Feuer, See, Natur, Luft).
Des weiteren erledige ich die Formalitäten, erstelle Trauerdrucksachen und vermittle Traueranzeigen, Blumenschmuck, Musiker aller Richtung, gestaltenden Künstler (für individuelle Särge, Urnen, Grabmäler etc.), Lokalitäten für das Beisammensein im Anschluss an die Abschiedsfeier, ehrenamtlichen Helfer/innen für „die Zeiten danach“ und vieles mehr.
Familie und Freunde der Verstorbenen werden, sofern sie es wünschen, in alle Abläufe mit einbezogen.
Als Theologin gestalte ich Trauerfeierlichkeiten und halte Trauerreden. Trauerbegleitung im Einzel- wie im Gruppengespräch lässt Angehörige auch nach der Bestattung nicht allein.
Ausführliche Informationsgespräche und Bestattungsvorsorge werden zunehmend nachgefragt.
Durch Vorträge, Kurse und Schulungen bringe ich Sterben, Tod und Trauer ins Gespräch und gebe Menschen Anstöße, sich damit auseinanderzusetzen.
Als Bestatterin ist es mir ein großes Anliegen, sowohl Traditionen zu bewahren als auch mit Angehörigen nach neuen Wegen zu suchen, der Trauer Form und Ausdruck zu geben.
Ihre Zielgruppe/ Ihr Markt?
Ich begleite Menschen auf den Fildern und im Großraum Stuttgart, die einen Trauerfall haben oder sich mit Fragen rund um die Bestattungsvorsorge auseinandersetzen möchten.
Durch Vorträge und Seminare bin ich auch überregional tätig.
Was war für Sie das Schwierigste beim Gründungsprozess?
Es war (und ist) neu, plötzlich für alles und jedes selbst zuständig und verantwortlich zu sein. Auch die dauernde Aufgabe, sich am Markt zu positionieren, durchzusetzen und auch in schwierigen Situationen entschieden „seine Frau zu stehen“ hatte ich unterschätzt.
Sie haben eine erfolgreiche Gründung geschafft - gibt es trotzdem etwas, das Sie mit Ihrer heutigen Erfahrung anders machen würden?
Ich würde mir die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite und vor allem ihre Motive für dieses „Miteinander“ genauer anschauen. Ich würde auf den einen oder anderen Rat von Familie, Freunden und Beratern mehr hören.
Was sind Ihrer Meinung nach die entscheidenden Komponenten für den unternehmerischen Erfolg eines kleinen bis mittleren Unternehmens?
Fleiß. Wille. Glaube an die eigene Sache. Fachwissen. Bereitschaft zu Fort- und Weiterbildung. Aufrichtigkeit. Guter Ruf (Empfehlungen, Mund-zu-Mund-Propaganda). Träume. Motivation von Mitarbeitern. Gute Berater. Angemessene Werbung. Gutes Betriebsklima. Netzwerke (geschäftlich und privat). Belastbarkeit und Gesundheit. Rückhalt in Familie und Freundeskreis. Ordentliche Kalkulation.
Haben Sie externe Unterstützung (wie z.B. Beratungen, Business Angels, Finanzierungshilfen, VC etc.) bei der Gründung Ihres Unternehmens in Anspruch genommen und falls ja, wie beurteilen Sie dies?
Mein Steuerberater hat mir viel geholfen.
Sehr hilfreich war auch der Austausch mit langjährigen Unternehmern aus verschiedenen Branchen.
Einige Plattformen im Internet geben gute Hinweise.
Die Handwerkskammer hat mir ansprechendes und hilfreiches Material zur Verfügung gestellt.
Arbeiten Sie mit/ in Netzwerken?
Ja, mit Überzeugung. Ich profitiere geschäftlich wie menschlich davon.
- BNI (Business Network International),
- Verband unabhängiger Bestatter.
- Mehr ist geplant.
Wenn du deine Arbeit aufrichtig und fleißig tust, wird sie Früchte bringen.
Welche Visionen/Ziele haben Sie?
Langsam aber kontinuierlich möchte ich einen größeren Marktanteil bekommen durch einen guten Ruf und angemessene Werbung. Dem steigenden Bedarf an Information und Bestattungsvorsorge soll begegnet werden. Weitere Mitarbeiter sollen eingestellt, das Unternehmen Ausbildungsbetrieb werden.
Ich will die Natürlichkeit des Todes spürbar werden lassen und Menschen ermutigen, sich ihrer Trauer zu stellen und nach Formen des Ausdrucks zu suchen. Meine Idealvorstellung ist eine Bestattungsarbeit, die nicht am Rand sondern mitten im Leben steht und getan wird, zu dessen Wirklichkeit und Normalität sie gehört. Um auf diesem Weg weiterzukommen, öffne ich diesen Beruf auf Menschen und Gesellschaft hin, um die Fragen zu hören, um Rede und Antwort zu stehen.
Welche Marketingmaßnahmen haben Sie zu Beginn Ihrer Gründung vorgenommen? Welche Vertriebs- und Marketingaktivitäten betreiben Sie heute?
Es sind heute wie zu Beginn der Gründung dieselben:
- Anzeigen in Zeitungen und Gemeindeblättern
- Netzwerken mit Visitenkarten, aussagekräftigen Flyern und dezentem Werbematerial
- Internetauftritt
- Persönliche Kontakte
- Aufschrift auf den Firmenfahrzeugen
Überlegen Sie, ob Sie das, was Sie vorhaben, wirklich machen wollen und ob Sie bereit sind, dafür unvorstellbar viel Zeit, Energie, Geld, Herzblut und Nerven zu investieren.
Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl und achten Sie gut darauf, mit wem Sie sich zusammen tun.
Fragen und hören Sie Berater, würdigen Sie die Erfahrung älterer und alter Menschen und machen sie sich zu Nutze. Treffen Sie aber letztlich Ihre eigenen Entscheidungen.
Sagen Sie ja, wenn Sie ja meinen, sagen Sie nein, wenn Sie nein meinen. Manchmal muss man sich abgrenzen und kann es nicht immer allen recht machen.
Versprechen Sie Ihren Kunden nicht mehr, als Sie bringen können und wollen. Eher umgekehrt.
Seien Sie aufrichtig, höflich und zuverlässig, auch wenn es immer wieder so scheint, als käme man heute ohne diese Tugenden weiter.
Lernen Sie Ihre eigenen Stärken und Schwächen kennen und akzeptieren Sie sie. Bringen Sie die Stärken zur Geltung, suchen Sie für die Schwächen Leute, die da besser sind.
Trauen Sie sich, Ihre Leistung anzuerkennen und freuen Sie sich an Ihren Erfolgen.
Entwickeln Sie sich und Ihr Unternehmen weiter. Man kann immer besser werden.
Gehen Sie mutig und angstfrei Ihren Weg und vergessen Sie Ihre Träume nicht.
Frau Rolf, wir danken Ihnen für das ausführliche Interview und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Ihrem Unternehmen!
Zum Profil











