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IAW-Studie zur Gründungsqualität - 28.07.2010
Betriebsgründungen verfügen über einen höheren Anteil atypischer Beschäftigter als etablierte Anbieter. Frauen, Ausländer und ältere Beschäftigte sind dagegen weniger häufig in Gründungen beschäftigt. Gleichzeitig ergeben sich auch innerhalb der neugegründeten Betriebe Unterschiede hinsichtlich ihrer Personalzusammensetzung und ihres Beschäftigtenwachstums Dies ergibt ein aus Mitteln der Baden-Württemberg-Stiftung (Zukunftsoffensive III) finanziertes Forschungsprojekt des Wirtschaftsministeriums, das vom Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung realisiert wurde.Die Studie basiert auf Beschäftigtenangaben der Bundesagentur für Arbeit (Betriebs-Historik-Panel) und wertet eine repräsentative Stichprobe von 50% aller Betriebe in Deutschland im Zeitraum 1999 bis 2006 aus. Dabei zeigt sich in allen betrachteten Regionen und Wirtschaftssektoren, dass der Anteil Vollzeitbeschäftigter in Gründungen wesentlich niedriger ausfällt als in etablierten Betrieben. In besonderem Maße gilt dies jedoch für das Verarbeitende Gewerbe. Dementsprechend fallen der Anteil geringfügig Beschäftigter und Beschäftigter in Teilzeit in Gründungen wesentlich höher aus. Dies deutet zunächst auf ein in Neugründungen höheres Flexibilitätsbedürfnis hin verglichen mit etablierten Anbietern. Es bedeutet aber auch, dass Gründungen im Zuge ihres Heranreifens und ihrer „Etablierung“ dazu neigen, Teilzeitarbeitsplätze durch Vollzeitarbeitsplätze zu ersetzen – aus Sicht der sozialen Sicherungssysteme, deren Basis das Normalarbeitsverhältnis darstellt, ein interessantes Ergebnis.
Insgesamt deuten die Befunde auf einen erhöhten Bedarf an Flexibilität im Sinne von Veränderungen der Anzahl der Arbeitskräfte in jungen Betrieben. Aber auch für einen erhöhten Bedarf an Flexibilität im Sinne vielseitig einsetzbarer Arbeitskräfte in jungen Betrieben gibt es Anzeichen. So ist der Anteil hochqualifizierter Beschäftigter in Gründungen im Durchschnitt signifikant höher als in etablierten Betrieben. Weitere Ergebnisse der Studie lauten: Gründungen verfügen über geringere Anteile älterer und weiblicher Beschäftigter und über einen höheren Anteil ausländischer Arbeitskräfte. Gründungen bezahlen signifikant niedrigere Löhne als etablierte Betriebe, und auch die Lohnstreuung fällt in den jungen Betrieben geringer aus. Eine Betrachtung der Betriebe über die Zeit zeigt: Während die mit dem Betriebsalter steigenden Anteile der Vollzeitbeschäftigten und der hochqualifizierten Beschäftigten positive Signale in Richtung Standfestigkeit, Nachhaltigkeit und Innovationsfähigkeit sind, scheinen Neugründungen für Frauen, Ausländer und ältere Beschäftigte keine eindeutig ablesbaren Potenziale zu bieten. Die Anteile dieser drei Beschäftigtengruppen bleiben im Entwicklungsverlauf der betrachteten Betriebe weitgehend unverändert.
Beschäftigtenstruktur und betrieblicher Erfolg
Vergleiche zwischen den 10% wachstumsstärksten und den 10% wachstumsschwächsten Betrieben (gemessen am Beschäftigtenwachstum) zeigen, dass erstere über einen höheren Anteil Vollzeitbeschäftigter im Jahr der Gründung verfügen. Im Gesamtdurchschnitt aller privatwirtschaftlichen Sektoren beträgt der Unterschied etwa 9 Prozentpunkte, im Dienstleistungssektor in Baden-Württemberg haben die wachstumsstärksten Betriebe 23% mehr Vollzeitbeschäftigte im Gründungsjahr. Ein höherer Anteil Vollzeitbeschäftigter im Gründungsjahr geht offenbar mit einem größerem Beschäftigtenwachstum der Betriebe einher.
Umgekehrt dagegen verhält es sich mit dem Anteil geringfügig Beschäftigter im Gründungsjahr, der in wachstumsschwachen Betrieben höher ausfällt. Der Unterschied zwischen den wachstumsstarken und den wachstumsschwachen Betrieben steigt zudem mit dem Betriebsalter. Somit ist der Anteil geringfügig Beschäftigter als eine Determinante des Wachstums anzusehen, deren Wirkung sich mit steigendem Betriebsalter verstärkt.
Ferner fallen die Anteile älterer und weiblicher Beschäftigter im Gründungsjahr in den wachstumsstarken Betrieben aller privatwirtschaftlichen Sektoren Baden-Württembergs etwa 16 bzw. 10%. geringer aus. Bezüglich des Anteils ausländischer Beschäftigter ergeben sich keine eindeutigen Ergebnisse, und bezüglich der Lohnstreuung ergeben sich keine größeren Unterschiede. Die Löhne selbst fallen in wachstumsstarken Betrieben höher aus als in wachstumsschwachen, der Unterschied ist mit 2% jedoch eher gering.
Weitere Informationen zum Download:
- IAW Policy Reports: Die Bedeutung von Unternehmensgründungen
für die Entwicklung der Qualifikations-, Altersund
Lohnstruktur der Arbeitsplätze in Baden-Württemberg (PDF 3,2 MB)
- Kurzfassung: Die Bedeutung von Unternehmensgründungen für die Entwicklung der Qualifikations-, Altersund Lohnstruktur der Arbeitsplätze in Baden-Württemberg (PDF, 131 KB)
Quelle: IAW - Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung e.V.












